Herrenschwandenhöhe bleibt grün!

Trotz der Nähe zum Ballungsgebiet der Stadt Bern ist unsere Gemeinde dank der vorbildlichen Raumplanung ein wirklich einzigartiges Naherholungsgebiet geblieben: Keine andere, durch eine Brücke direkt mit der Stadt Bern verbundene Gemeinde, weist noch so viel zusammenhängende grüne Fläche auf wie unsere! Doch genau das soll jetzt durch ein Grossprojekt einiger Fussballfreunde in Frage gestellt werden? Um was geht’s da genau? Was soll auf der Herrenschwanden Höhe gebaut werden? Haben wir etwas verpasst? Wir wollten es genauer wissen, denn vereinzelt war im letzten Jahr immer mal wieder vom „Projekt Löhracker“ zu lesen (Leserbriefe in dieser Zeitung, Artikel im Wecker, etc.). Je tiefer wir uns in die Materie einarbeiteten, desto abstruser erschien uns das Ganze. Auf unserem Gemeindeboden soll eine fast 5 ha grosse Sportstätte gebaut werden für die ganze Region? Und dieses Grossprojekt ist bereits so weit fortgeschritten, dass es im regionalen Richtplan verankert und vom AGR genehmigt wurde – und all dies ohne dass die Gemeindebürger*innen je darüber informiert, geschweige denn in irgendeiner Weise mit einbezogen wurden? Kann das sein? Wir können das kaum glauben, denn die Herrenschwandenhöhe wurde von uns Bürger*innen gemeinsam während unserer Zukunftswerkstatt als Juwel und als Tabu-Zone
betitelt – als unverbaubar! Und ausgerechnet dort sollen nun vier Fussballfelder gebaut werden mit 6 Meter hohen Zäunen, Kunstrasen, Flutlichtern, Garderoben, Clubräumen, Zuschauertribünen, Parkplätze, etc.? Das Ganze tönt wie ein schlechter Aprilscherz – ist es aber leider nicht.

Wieso das Projekt an diesem Standort schlicht deplatziert ist?

– Weil die Fläche in einem wichtigen und sehr geschätzten Naherholungsgebiet liegt.
– Weil durch das Projekt eine Inselzone inmitten der Landwirtschaftszone geschaffen würde.
– Weil die Herrenschwandenhöhe von uns Gemeindebürger mehrfach als unverbaubare Tabuzone deklariert wurde.
– Weil der Löhracker und die nähere Umgebung ökologisch äusserst wertvoll und schützenswert sind und er neben dem nationalen Naturschutzgebiet Lörmoos liegt.
– Weil genau über die Fläche ein rege genutzter Wildtierkorridor führt, welcher für die Vernetzung von grosser Bedeutung ist.
– Weil eine grosse, zusammenhängende Landwirtschaftsfläche (grünes Band) zerschnitten und wertvolle Fruchtfolgefläche vernichtet würde.
– Weil eine solche Umzonung sämtlichen nationalen, regionalen und kantonalen Grundsätzen der Raumplanung widerspricht.
– Weil die Flutlichtanlage eine weitere grosse Lichtverschmutzung verursachen würde.
– Weil eine grosse zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelastung entstünde, welche für die Anwohner und die Waldbewohner (Wildtiere) nicht zumutbar ist.
– Weil der Standort verkehrstechnisch weder für MIV noch durch öV erschlossen ist.
– Weil massive Erdverschiebungen nötig wären, welche das gesamte Landschaftsbild verändern würden.
– Weil dieses Grossprojekt mit Unmengen Subventionen und Gemeindevermögen mitfinanziert werden müsste.

Angesichts der komplett deplatzierten Standortwahl fragen wir uns umso mehr: Weshalb holt sich der Gemeinderat nicht die Zustimmung in der Bevölkerung, bevor er in der regionalen Planung definitiv eine Sportstätte in der kirchlindacher Tabuzone Herrenschwandenhöhe als “regionales Interesse” eintragen lässt?
Vielleicht geht es darum, bereits im Vorfeld sämtliche Einsprachemöglichkeiten aus dem Weg zu räumen? Denn wenn uns nur die Gemeindeversammlung bleibt, um die Überbauung des Naturidylls zu verhindern, dann wird das zur Zitterpartie für die Natur. Um das Projekt durchzukicken, würde es ausreichen, dass ein einziger Fussballverein im Vorfeld kräftig mobilisiert – da im Normallfall leider weniger als 6% der stimmberechtigten Bevölkerung an den Gemeindeversammlungen teilnimmt… Die Natur hingegen hat leider keine starke Lobby und doch hat sie einen Fürsprecher verdient. Diese Rolle zu übernehmen ist oft schwierig, aufreibend und unbequem. Trotzdem ist es gerade jetzt und hier bei diesem Projekt unglaublich wichtig! Wir wollen Sorge tragen zu der einmaligen und schützenswerten Landschaft und werden alles daran setzen, dass die Herrenschwandenhöhe auch in Zukunft grün bleibt!